Meine Texte

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Wo will ich eigentlich ankommen?

Ich entdecke gerade das Schreiben, dachte immer: Das ist doch unendlich schwierig. Jetzt macht es mir jedoch kein Kopfzerbrechen, denn es muss ja keiner lesen und wer es liest, tut dies schließlich auf eigene Gefahr.

Schreib` einfach kunterbunt und suche nach dem roten Faden, gehe ihn entlang. Am Anfang ruhig, etwas zögerlich, später zügiger mit Bergen und Tälern, um wo eigentlich anzukommen?

 

Weiß ich auch noch nicht.

 

Spiele mit meinen Gedanken, fantasiere beflügelt, schreibe ungezügelt und - streiche was mich nicht berührt. Merke meine Grenzen, nehme Schwächen hin und mache Fehler. Zweifel an dem Text und weiß nicht, ob er so ok. Wo sind Lücken, was ist nicht schlüssig? Wo versteckt sich zu viel Gelaber, Überflüssiges? Wird das Thema jemanden interessieren? Ist die Sprache zu blumig oder nüchtern bis zum geht nicht mehr? Weiß nicht, wie man einen Spannungsbogen aufbaut, der den Leser umhaut. Schreibe einfach weiter, höre den Vögeln draußen zu und suche nach neuen Worten. Weiß` gerade nicht weiter. Trinke ein Tässchen Tee. Das Telefon klingelt und ich gehe ran, habe ein nettes Gespräch, ziemlich lang. Schade, mein Gegenüber legt auf und jetzt sitze ich wieder hier und schaue auf meine Zeilen drauf. Denke, ich kann das nicht. Überlege, ob ich malen gehe. Da finden sich für mich keine Grenzen, Gedanken sind oft vollkommen fort, ich folge meinem Herzen, meinen Gefühlen und male bis ich leer bin. Vergleichen tut nicht not, denn ich male, was mir gerade in dem Augenblick tut gut. Da gibt es keine Konkurrenten jeder ist mit sich alleine.

Früher, als ich anfing zu malen, war Anerkennung für meine Bilder wichtig für mich. Heute suche ich eher nach einem Gespräch, einem Austausch von Gedanken und Geschichten, einem Dialog, wenn ich Bilder zeige. Gefallen zu wollen, Anerkennung zu suchen, Konkurrenzdenken behindern meine Entwicklung eher. Mir ist mehr daran gelegen, im Dialog zu sein - im Dialog mit mir und den Menschen, die sich interessieren.

 

Ich liebe Sprache. Bildsprache - Wortsprache - Musik als Sprache.

 

Es ist ausgesprochen interessant, die unterschiedlichen Ausdrucksformen miteinander zu verbinden. Sich intensiv mit ihnen auseinanderzusetzen.

 

Alles ist möglich.

 

Jetzt habe ich den roten Faden verloren. Ist das hier eigentlich noch Prosa? Habe ich den Pfad verlassen?

 

Wo will ich eigentlich ankommen?

Februar 2014

Ute Storjohann

Malerin

Künstlerin

Kreative

Meine Texte

 

Von Zeit zu Zeit versuche ich mich auch an Lyrik und Prosa. Hier lasse ich meinen Gedanken freien Lauf und schreibe über Dinge, die mich zur Zeit beschäftigen, die ich mag, die mich stören oder die mir einfach im Kopf herumgeistern. Viele Anregungen bekomme ich auch aus dem Phantasieraum, in dem von Zeit zu Zeit Wettbewerbe stattfinden oder Gemeinschaftsprojekte verwirklicht werden.

Sanfte Gedanken

 

Sanfte Gedanken

fließen

den Berg

hinunter.

 

Sie streicheln

dich,

dein Gesicht.

 

Sehen

deine Augen,

deinen lachenden Mund,

deiner Haare Schwung.

 

Erfreuen sich

an deinem

Humor.

 

Sie schaden

dir nicht,

erheitern

dich.

 

Kosten

von deiner

Natur.

 

Entdecken

dich,

Tag für Tag,

wer bist du nur?

 

Sind

an deiner Seite

gestern, morgen und heute.

 

Sanfte Gedanken

sind bei dir.

Fühlst, spürst du sie

im Jetzt und im Hier?

April 2014

Ein Fass ohne Boden

 

Lauter kleine Zettelchen

fliegen

leise

 

in ein Fass

ohne

Boden.

 

Kein Ton

schwingt

 

als Resonanz

zart

zurück.

 

Dunkelheit

verschließt

den

Weg.

April 2016

Vielleicht

 

Vielleicht heute

oder morgen

oder auch nicht.

 

Vielleicht ist es so

oder anders

oder auch nicht.

 

Vielleicht denk ich so

oder fühl ich so

oder auch nicht.

 

Vielleicht weiß ich

oder glaube ich

oder auch nicht.

 

Vielleicht lache ich

oder weine

oder auch nicht.

 

Vielleicht ist ungewiss

heute, morgen

und auch übermorgen.

Juni 2015

Ich und du

 

Ich bin hier,

meist alleine.

 

Du bist dort,

weit fort.

 

Manchmal denk ich, du,

du bist allein.

 

Vielleicht bin ich wie du,

der Spiegel, schauen uns zu.

 

Sind wir dann drei,

oder vier?

 

Der Spiegel

ich und du,

wir.

 

Ich schaue in den Spiegel,

da bist du.

 

Mache ich die Augen zu,

bleibst du, nur du.

 

Alleine.

Sind ich und du.

 

 

August 2016

Kostbare Zeit

 

Kostbare Zeit,

was tue ich mit dir?

 

Lesen,

malen,

reden,

zuhören,

denken,

träumen,

ausruhen,

ausgehen,

singen,

tanzen,

spielen,

essen,

an Blumen schnuppern,

Farben und Formen sehen,

Freunde treffen,

einen Becher Kaffee genießen,

schlafen,

und

noch ganz viel mehr.

Jeden Tag ein bisschen davon.

 

Kostbare Zeit,

du machst mein Herz weit,

lässt mich lebendig sein.

 

Dankeschön, dass es dich gibt,

ich hab dich lieb.

April 2016

Ein ganz normaler Tag

Es schien ein Tag wie jeder andere zu werden. Nach dem Aufstehen mit dem linken Fuß zuerst, sah ich ein gruseliges Gesicht im Spiegel, Haare, die verquer in die falsche Richtung standen. Erst mal duschen. Ich rutschte auf der Seife aus und hatte Glück, weil der rechte Fuß stehen blieb. Beim Anziehen passierte nichts, außer dass der Knopf genau auf Höhe des Vorbaues abriss, zog also lieber ein T-Shirt an.

 

Die Haare waren nach dem Duschen aufgeladen und so sahen sie nicht viel besser als vor dem Duschen aus. Ich ging also erst einmal in die Küche frühstücken. Die Zeitung steckte ausgerechnet heute noch nicht im Postkasten und mein Radio hatte am Vorabend seinen Geist aufgegeben. Das hob auch nicht gerade meine Stimmung. Mein Cappuchino war heiß. Ich weiß das, weil ich mir schnell mal eben die Zunge mit dem ersten Schluck verbrannt hatte. Schon jetzt hatte ich genug von diesem Tag, aber ich musste meinen Arbeitsplatz besuchen, mein Chef bestand darauf. Also zog ich meine Jacke an und holte meinen Drathesel aus dem Stall.

 

Unterwegs vor der Schule traf ich auf die Fahrradkontrolle. Bei mir ging das Licht natürlich nicht. So viel Pech an einem Tag kann doch gar nicht sein. Gerade noch rechtzeitig traf ich im Büro ein. Noch niemand sonst war da. Das wunderte mich etwas, denn ich bin sonst immer die letzte. Ich schmieß den Computer an und alle anderen notwendigen und auch die lästigen Geräte, die in so einem Büro eben stehen, wie das Telefon. Es klingelte die erste Stunde dieses Bürotages nicht, was mich sehr erfreute, denn so schaffte ich die Eingangspost gut weg.

 

Noch immer war kein Kollege im Büro aufgetaucht. Merkwürdig, schon 9.00 Uhr durch. Auch hier steckte die Donnerstagszeitung nicht im Postkasten. Ich schaute auf den Kalender an der Wand, es war doch Donnerstag, oder? Der Kalender sagte: "Ja!" Die nächste Stunde konnte ich mich auf meine Arbeit nicht mehr so richtig gut konzentrieren. Das Telefon hatte immer noch nicht gebimmelt. Ich versuchte den Kollegen aus der Finanzabteilung telefonisch zu erreichen, aber dort ging nur der Anrufbeantworter ran, der mir mitteilte, dass Herr Schmidt gerade einen lustigen Tag auf dem Rad verbringen würde. Ich verstand die Welt nicht mehr. Es war doch Donnerstag, der 16. Mai, ein ganz normaler Wochentag. Vielleicht hatte er zwei Tage Urlaub genommen und vergessen, es mir zu sagen.

 

Meine Kontaktlinsen hatte ich heute Morgen auf dem Teppich nicht finden können und so war ich ohne sie losgefahren. Ich arbeitete weiter. Als ich nun das Kleingedruckte im Bürobedarf Bestellkatalog nicht lesen konnte, kramte ich meine sehr alte Hornbrille aus der hintersten Ecke der Schreibtischschublade, setzte sie auf und schrieb die nun lesbaren Bestellnummern in vernünftiger Größe auf meinen Schreibblock. Wegen des Bestelldatums fiel mein Blick auf den Tischkalender mit den Ziffern, die man nur sehen kann, wenn man ein Vergrößerungsglas dabei hat.

 

Ich stutzte und versank im Boden. Heute war Donnerstag, der 16. Mai ..... Himmelfahrt.

Erdbeermarmelade

 

Roter Mund

Erdbeermarmelade ist gesund,

Maria küsst mit rotem Erdbeermund,

den Schäfer auf der Wiese auf den Honigmund.

 

Wild im roten Kleid kam Maria heran gesprungen,

die Erdbeermarmelade ist gelungen,

Schäfer auf der Wiese hat den Arm um sie geschlungen,

Mund zu Mund wird um die letzte Erdbeere gerungen.

 

Für Erdbeermarmelade suchte sie,

auf der Wiese wilde Erdbeeren, süß wie Zuckerie,

der Schäfer fand reizende Marie,

nun küsst Honigmund Erdbeermund mit Fantasie.

Juli 2016

Flüchtlinge

 

Gestapelt in einer Ecke liegen Decken, in einer anderen Kleidung und Schuhe. Die Menschen stehen Schlange. Sie werden registriert und eingekleidet, bekommen eine Decke und eine warme Mahlzeit.

Einige Wochen bleiben sie im Lager, manche auch Monate oder Jahre. Vorerst sind sie in Sicherheit.

 

Geflüchtet. Flucht. Was bedeutet das? Ich kenne nur die Erzählungen alter Menschen. Wie das nackte Leben gerettet wurde. Nichts blieb ihnen außer der Kleidung am Leibe. Ob jung oder alt, Mann, Kind oder Frau, sie alle ließen alles, was ihr Leben ausmachte hinter sich, um das nackte Leben zu retten. Unterwegs verloren sie so manchen ihrer Lieben. Das Kind, die Mutter, den Bruder oder Onkel. Die einen starben und die anderen kamen in dem Durcheinander der Flucht nicht mit oder wurden nicht wieder gefunden und die Flüchtlinge mussten weiter.

 

Es war keine Zeit für Trauer und Abschied nehmen. Sie mussten weiter, um in Sicherheit anzukommen. Der Winter war schon spürbar nah. Sie hatten Angst, wurden an Leib und Leben bedroht, wurden krank und erlebten, dass fremde Menschen ihnen weiter halfen. Wind und Wetter beschwerten ihren Weg.

 

Irgendwann kamen sie an. In Ankunftslagern wurden sie gesammelt, registriert und verteilt. Bei dem einen traf es sich, dass er und seine Familie auf einem Dachboden einquartiert wurde und ein anderer hatte sich in einer Wohnung mit einer einheimischen Familie zu arrangieren. Nahrung war rar. Es wurde geteilt. Niemand wusste, wie es weitergehen würde.

 

Aber sie waren in Sicherheit.

 

Sie waren nicht beliebt. Sie waren die Flüchtlinge, die Fremden. Sie fügten sich in die Gemeinschaft, arbeiteten, bauten ein Haus und bauten das Land wieder mit auf.

 

Manch einer ließ es sie noch Jahre später spüren, dass sie die Flüchtlinge waren. Sie ertrugen die Worte, Gesten und Taten, genau wie all die Verluste, die sie hatten hinnehmen müssen.

 

Selbst im Alter hatten sie diese Kränkungen nicht vergessen.

 

Anmerkung:

Nicht nur in heutiger Zeit gibt es Flüchtlinge. Viele Deutsche haben Großeltern oder auch Eltern, die Flüchtlinge waren. Auch sie sind vor dem Krieg geflohen. Sie hatten nichts mehr außer ihr Leben.

Einige sind später gekommen. Aussiedler und Spätaussiedler. Viele davon mussten die deutsche Sprache lernen.

Viele Deutsche sind über Bremerhaven nach Amerika ausgewandert, in der Hoffnung, dass es dort Arbeit und ein besseres Leben gibt.

Viele Deutsche sind vor den Nazis ins Ausland geflüchtet.

 

Wir alle sind Menschen und ich denke, dass es sehr mutig ist, in ein fremdes Land zu gehen,

 

in der Hoffnung, dort Sicherheit zu finden;

in der Ungewissheit, ob die Flucht gelingen wird;

in der Furcht um die Angehörigen, die zurückbleiben müssen;

alleine ohne Sprachkenntnisse.

 

Ein grüner Sommertag

 

An einem heißen Sommertag saß das schwarze Lamm unter der alten Korkeiche. Ein leiser Windhauch spielte zärtlich mit den Blättern. Vögel besuchten das Geäst, um sich einen Moment auszuruhen. Weiße Schmetterlinge tanzten über die Wiese.

 

So weit das Lämmchen auch schauen konnte, sah es grün, grün in allen Farbschattierungen, manchmal eine Spur zu blau und manchmal leicht rot schimmernd. Die ersten Blätter fingen an, sich gelblich zu verfärben. Ob dies eine Folge der letzten heißen Sommerwochen war oder daran lag, dass es langsam schon August wurde, wusste das Lamm nicht. Es spürte nur den Frieden der Farbe Grün, döste, von der Hitze lahm gelegt, im Schatten des großen alten Baumes neben den anderen Schafen und genoß die Stille.

 

Ab und zu stand das kleine Schwarze auf und schlenderte an den nahen Bach, um sich abzukühlen und zu trinken. Dort begegneten ihm die blaugrünen silbrigen Fische. Sie schwammen dicht am Ufer unter dem Grün der Silberweide.

 

Der Tag zog geruhsam dahin. Das Sommergrün hatte sich über alle Sinne gelegt.

 

Gegen Abend lebten alle Tiere auf der Wiese und im Bach wieder etwas auf. Sie hüpften, planschten und fraßen.

 

Grillduft zog durch das Grün. Menschen lachten, sangen und spielten Gitarre. Sie störten die Natur in der Sanftheit diesen Tages nicht. Der grüne Sommertag machte auch sie glücklich, hatten sie doch heute alle Geschäftigkeit ruhen lassen und sich von den Mühen der Woche mitten im Grün erholt.

 

Die Schafe lagen nach der Bewegung, die wie ein laues Lüftchen erfrischend gewesen war, wieder unter der Eiche. Das schwarze Lamm beobachtete, wie die Sonne unterging. Es sah den Himmel unter sich sammelnden Wolken rosa leuchten. Langsam verdichtete sich die Wolkendecke und färbte sich über dem Rosa hellviolett.

Noch einmal glühte der Tag auf, orange am weiten Horizont, bevor sich die Nacht langsam über den Tag schob.

 

Die Vögel sangen ihr letztes Nachtlied. Die Schatten wurden länger bis die Dunkelheit sich über das Grün ausbreitete.

 

Frieden lag über der Wiese als alles in den neuen Tag hinein schlief.

Juli 2016

Es könnte immer so sein

 

Gestern, heute, morgen,

hat` ich keine Sorgen,

war frei

wie nie.

 

Tag für Tag,

bleibt es so? Sag!?

 

Ich hör` in mich rein,

und wünschte, es könnte immer so sein.

 

Seufz.

Juli 2014

Sieben Tage noch

 

Sieben Tage noch,

draußen Kälte, dass es kracht,

bunte Lichter

blinken wie wild und halten niemals still.

Er guckt nicht nach rechts und nicht nach links,

geradeaus,

denn da ist nichts, was blinkt.

 

Sieben Tage noch,

Menschen reden ununterbrochen

und verstehen sich nicht.

In den stillen Wald hinein,

lauscht er auf den Ruf der Eule,

rascheln im Gebüsch,

Augen sanft und braun,

ganz still steht er

und spricht lautlos mit dem

zarten Rehlein.

 

Sieben Tage noch,

schnell, schnell.

Wer langsam geht, wird abgehängt.

Langsam zieht sein Reh weiter

in den Wald hinein,

verschmilzt mit den Schatten.

Sterne weisen ihm

den Weg durch den Schnee.

Er findet seinen Weg,

auch wenn er ganz langsam geht,

um keine Sekunde zu verpassen.

 

Sieben Tage noch,

dann ist er aus dem Lärm heraus.

Ein winzig Häuschen

am Waldesrand

wird sein neues Heim sein.

Es steht auf zwei Rädern.

Vor ihm die Weite

der brachliegenden Felder,

hinter ihm der stille Wald

im Winter.

Sein Hund immer dabei.

 

Sieben Tage noch.

Die Schafe, sein Hund, treue Kameraden,

hören seinen Geschichten gerne zu,

sind eins mit

Stille und Farben der Natur.

Wie wunderbar unsere Natur doch ist.

Und er, Schäfer auf Zeit, kann sich

darauf freuen, besinnen,

ein ganzes Jahr

lauschen, außen und innen.

Das ist Geschenk genug.

 

Sieben Tage noch.

November 2016

Die Drollmatch(e)automatik - Maschine

 

 

Der Gerhard liebte das Fahren über Lande. Er war Bäcker in Scharbeutz. Wenn er aus seiner Haustür trat und rüber in sein Bäckerhaus ging, dann roch er das Meer. Er blieb mitten auf dem ausgetretenen Pfad, der über seinen Rasen führte, stehen und atmete tief ein und aus. Ja, das hier war Zuhause. Die Ostsee, die Meerluft, sein Garten mit Pfad über den Rasen und vor allem seine Bäckerei. Sie war die Leidenschaft seines Lebens.

 

Damals als er sie baute und dann eröffnete, dachte er nicht daran, die Brötchen direkt zu verkaufen. Er liebte es einfach nur Brötchen herzustellen und alles, was man noch backen konnte und wunderbar zu verzieren. Klein war das Stübchen und die Brötchen wurden erst abends nach Feierabend gebacken. Seine Frau lud die ganze Nachbarschaft ein und er buk mehr und mehr. Da kamen auch die Leute vom anderen Ende des Dorfes zum Bäckerhaus und holten abends ihre Brötchen.

 

Irgendwann wurde es zu viel und so überlegte er, wie er seine Leidenschaft auch zu seinem Brötchenverdienst umwandeln konnte. Da er mit Pferden nicht viel anfangen konnte, kaufte er sich 1927 seinen ersten Volvo. Es war ein Cabrio. Er stapelte die Brötchentüten auf den Sitzen rund um sich selbst, fuhr von Dorf zu Dorf und die Geschäfte gingen gut. Gerhard genoss den verschlafenen Morgen und seine Landfahrten endeten immer im Morgengrauen in Timmendorf. So konnte er zu Tagesbeginn den Sonnenaufgang über der Ostsee beobachten.

 

Danach fuhr er nach Hause, frühstückte und legte sich aufs Ohr. So ging es Tag für Tag.

 

Bald konnte er über Tag die ganze Arbeit nicht mehr schaffen. Seine Familie half aus. Sie bestand aus der Ehefrau und seinen vier Kindern. Der Johannes war der mittlere Sohn. Seine Aufgabe bestand darin, den Teig zu teilen, mit der Hand zu formen, ihn mit Wasser zu bepinseln und die ganzen Körner gleichmäßig auf die Brötchen zu streuen bevor sie gebacken wurden.

 

Ihm war diese Aufgabe furchtbar langweilig. Deshalb stand er eines Tages in der Nacht mit seinem Vater auf und verschwand im Werkschuppen, um etwas zu bauen. Hier wurden all die Geräte in Stand gehalten und es gab das tollste Werkzeug.

Johannes hämmerte, sägte und leimte. Nachts schlich er durchs Dorf und schaute in alle Mülltonnen. Manchmal nahm er etwas kleines, sehr dünnes Metallisches heraus und steckte es in seinen Rucksack. Seine wertvolle Beute kam mit in den Schuppen.

 

Als der Vater Tage später in den Werkschuppen wollte, war Johannes in der Schule. Gerhard kam nicht in den Schuppen, denn dort hing ein nagelneues Schloss und er hatte keinen Schlüssel dafür. "Dieser Bengel!", rief er.

 

Doch als Johannes mittags von der Schule zurück war, schlief der Vater schon und abends war der morgendliche Ärger vergessen. Johannes konnte in der Nacht weiter an seiner Maschine arbeiten.

 

Es war die letzte sehr arbeitsreiche Nacht. Nun sollte die Maschine in der Bäckerei ausprobiert werden. Sie war kein Monstrum. Alle Familienmitglieder schauten sie skeptisch an. Johannes war sehr aufgeregt. Die älteren Brüder rissen Witze. Einer sagte: "Da fehlt doch noch der kleine lilaleuchtende Knopf." Die kleine Schwester drückte seine Hand, ihre Augen glänzten vor Stolz auf ihren Bruder und neugierig begutachtete sie die Maschine. In der Bäckerei herrschte eine erwartungsvolle Spannung.

 

Johannes nahm den noch matschigen Teig und steckte ihn in einen Trichter. Er betätigte den kleinen, unscheinbaren Knopf an der rechten Seite der Maschine. Sie brummte laut auf und dann knallte es. Licht war aus, Strom war weg. Alle Menschen waren unter dem Tisch abgetaucht. Der Vater erholte sich als erstes von dem Schrecken und schob die Sicherung wieder rein. Das Licht ging an. Johannes sah sehr blass aus. Seine Brüder kringelten sich vor Lachen.

 

Im ersten Moment wollte Johannes seine Maschine nehmen und in die Mülltonne werfen, aber als sein Blick in die vertrauensvollen Augen seiner Schwester fiel, nahm er all seinen Mut zusammen und sagte, dass die E-Maschine auch ohne Strom gehen würde und er dies noch gerne zeigen würde. Die Mutter nickte, der Vater schaute ergeben und die Brüder machten Witze.

 

Der kleine Erfinder nahm die Kurbel und drehte sie. Die Drollmatch(e)automatik-Maschine begann zu arbeiten. Der matschige Teig drollte an dem verdrehten Metallstück herab. Unten schnitt ein Messer regelmäßige Stücke ab, Wasser wurde aus einem Bügelwäschebesprenger auf die Teigstücke gespritzt. Im letzten Teil der Maschine befanden sich die ganzen Getreidekörner. Durch das Drehen dieses Teilstücks sollten sie gleichmäßig durch das Metallgitter auf die unten durchlaufenden Brötchen fallen. Leider hatte der kleine Architekt vergessen, die Seiten am Durchlauf zu schließen und so landeten die Körner weit neben dem Teig. Es sah in der Backstube aus, als hätte es Sesam geregnet.

 

Die Brüder hielten sich den Bauch vor Lachen. Die Mutter schaute ernst. Die kleine Schwester umarmte Johannes und drückte ihn liebevoll. Gerhard legte seinem Sohn die Hand auf die Schulter und war stolz auf ihn und seine Erfindung. Er hatte sofort erkannt, wie sehr diese Maschine ihnen die Arbeit erleichtern würde. Gleich in der Nacht wurde die Drollmatch(e)automatik-Maschine ausgiebig genutzt. Die Brötchen wurden nun alle gleichmäßig groß geschnitten. Den kräftigen großen Brüdern war es eine Ehre, die Kurbel der Maschine zu drehen. Sie hatten ihren Bruder gern und wussten sein Werk zu schätzen.

 

Johannes streute weiterhin die Getreidekörner auf die fertigen Teigstücke.

 

Ihr wisst ja, wie ihn diese Arbeit langweilte. Da könnt ihr euch sicherlich denken, dass er sich bald wieder nachts im Schuppen aufhielt und eine neue Maschine erfand. Ob sie allerdings sein Problem mit den Getreidekörnern löste, wissen wir nicht.

 

Seine Drollmatch(e)automatik-Maschine, die auch mit Kurbel funktionierte, blieb ein Einzelstück. Nachfolger der Maschine kann man heute im Bäckereifachbedarf kaufen. Bei Amazon gibt es immer noch Bügelwäschebesprenger im Programm.

 

Juli 2016

Kirschblüten

 

Ein wunderbares Leuchten, weiß und rein,

sehr viel Tiefe, nicht nur schöner Schein.

Zarter Flor mit dunklem Kern,

Schönheit innen und außen, strahlend nah und fern.

 

Kurz das strahlende Blütelein erblickt,

weht der Wind, entfernt es sehr geschickt.

Wächst doch weiter mit starkem Kern,

umgeben von grünen Blättern.

 

Reift zur Frucht, wildes verlockendes Rot,

bietet ein saures oder süßes Angebot.

Es fällt schwer zu widerstehen,

Jahr für Jahr wird`s so weitergehen.

Februar 2014

Sonnenschein, wo bist du?

in der heißen Suppe, die mich bei Kälte von innen wärmt?

in dem Kerzenschein, der mein Herz erwärmt?

in der Familie, die immer bei mir ist?

in der stillen Stunde, die mir Zeit zum Lesen schenkt?

in meinen Freunden, die mich gern haben?

in der Musik, die ich fühlen kann?

im Tanz, in dem ich mich ausdrücken kann?

in dir, der du mich liebst?

in der Kunst, die mir ganz viel Freiheit schenkt?

in den Farben, in die die Welt getaucht ist?

in der Arbeit, die ich mir ausgesucht habe?

in der Liebe, die ich verschenke?

 

Ja, überall da finde ich dich,

vor allem aber in mir,

ganz tief innen drin,

wenn ich zufrieden bin.

Dezember 2013

alleine sein

 

alleine sein

entflieh

dem schönen schein

 

denke nach

was will ich teilen

 

mir nah sein

mich fühlen

 

grenzen

setzen

spüren

 

nicht einsam

nur für mich

ohne dich

 

zeit

für mich

März 2014

Flügel wachsen

 

 

Flügel wachsen

wenn

die Gefühle

und Gedanken

frei gelassen.

 

Flügel wachsen

wenn

die Sonne scheint

und die Seele

schwebt.

 

Flügel wachsen

wenn

die Freiheit

in deinem

Leben lebt.

 

 

Januar 2015

 

Auf einen

Auf einen Sonnenstrahl

komme ich kurz vorbei,

Zwinker' dir zu.

Streiche einen Windhauch Wärme dir ums Gesicht,

sei es dir für diesen Tag ein kleines Licht.

Juli 2016

 

Musik

 

Träume

ziehen durch die Räume.

Die leise Weise

nimmt mich mit auf die Reise.

 

Beim Rocken gehe ich nicht auf`s Knie,

diese Songs schenken mir viel Energie.

Frech und kraftvoll kann ich tanzen,

meine Seele ist erfüllt im Ganzen.

 

Die musikalisch orientalische Reise

mundet wie eine blumig köstliche Speise.

Spielen mit dem Körper und den Blicken,

weich, ganz Frau sein, und auch rumzicken.

 

Lieder von der Waterkant,

biste jetzt gespannt?

Damit kann der Hausputz gut gelingen,

erlaubt ist laut und falsch mitzusingen.

 

Es gibt so traumhaft schöne Melodien,

die mich in die Ferne ziehen.

Samba, Reaggae, Blues sind ein Lebensgefühl,

da hält mich nichts mehr auf dem Gestühl.

 

Liedermachern zuhören,

bitte nicht stören!

Interessante Gedanken kreisen in ihren Liedern,

wieder und wieder.

 

Chansons können so schön schaurig traurig sein,

die Tränen sind da mein.

Doch später dann ist wieder Sonnenschein,

mit Musik ist meine Welt reich und gar nicht klein.

Oktober 2013

Der Mann am Strand

 

Bleierne Müdigkeit hatte seine Glieder erfasst. Er hatte einen harten Tag gehabt. Nicht körperliche Arbeit laugte ihn so aus. Seine Müdigkeit kam von den Gedanken, die ihn fast erdrückten. So schnell konnte ihn sonst nichts ermüden. Doch heute, nein schon die ganze Woche beschäftigten ihn viele Gedanken. Gedanken, die nicht die seinen waren. Seine Arbeit war geprägt von anstrengenden Gesprächen und der Suche nach individuellen Lösungsmöglichkeiten. Der Tag war noch nicht zu Ende.

 

Zu Hause warteten seine Tiere auf ihn und der Rasen musste auch noch gemäht werden. Die letzten Tage gab es zudem noch viel Streit in der Familie und er hatte die Wogen oft glätten müssen. Als er heute im Auto sich der Reihe der Feierabendautoschlange anschloss, merkte er, wie diese Woche an seinen Nerven gezerrt hatte. Er beschloss, es sich heute zu erlauben, die Routine des üblichen Feierabends zu durchbrechen, hielt am Straßenrand an und nahm sein Handy, erklärte seinem Sohn, der als erster ans Telefon ging, kurz und bündig, dass er sich diesen einen Abend frei nehmen würde und erst zur Nachtruhe heimkehren werde.

 

Was sollte er jedoch so ganz alleine und spontan tun?

 

Sein Blick fiel auf einen Kiosk. Er stieg aus, kaufte alkoholfreies Bier und zwei Burgunderbrötchen und fuhr in die Natur. Früher hatte er gerne lange Spaziergänge am Strand gemacht. Seit er sich jedoch eine Verletzung am Fuß zugezogen hatte, ging das nicht mehr. Aber heute brauchte er den Geruch des Meeres und erlaubte sich, an der Wasserkante entlang zu bummeln. Er genoß das kühle Wasser an den Füßen und das Spiel der Wellen, tastete mit den Füßen von Stein zu Stein. Einmal rutschte er fast aus, konnte sich aber gerade noch fangen. Er lachte und freute sich darüber. Als die Sonne begann langsam unter zu gehen, setzte er sich in den Sand und aß sein Brötchen und trank sein Bier, langsam, Schluck für Schluck.

 

Er lauschte dem Wind, den Wellen und ließ sich vom Rot der Sonne verzaubern. Weit hinten am Horizont verabschiedete sie sich Stück für Stück. Ihr Farbspiel ließ ihn staunen. Er vergaß Zeit und Raum, hörte seine eigene Melodie und war im Frieden mit sich.

 

Zwei Meter weiter saß eine Frau im Sand. Sie lächelte ihm zu.

 

Er erhob sich und setzte sich zu ihr. Schweigend sahen sie wie die Sterne den Mond am Himmel umschwärmten. Ihre Gedanken und Herzen trafen sich. Hand in Hand gingen sie zu seinem Auto. Er nahm sie mit zu seinem Hof.

 

Seine Frau hatte gewusst, wo sie ihn finden würde.

Mai 2014

Überall rosa

 

Es sah rosa. Schon morgens sah es rosa. Die Sonne ging rosa auf. Die Blumen schimmerten weißrosa bis dunkelrosarot.

Es gab nichts langweiligeres als rosa, fand das Lämmchen. Ihre Freundin hieß auch Rosa und war rein gar nicht unternehmungslustig. Das schwarze Lämmchen hatte alles versucht. Doch Rosa ließ sich nicht überreden. Sie lag inzwischen auf der anderen Seite der Wiese und schaute die rosa Blumen an.

 

Das schwarze Lämmchen schielte unentschlossen zum Zaun. Gestern hatte es die Lücke entdeckt. Noch war Hermine nicht so groß und rund, eben erwachsen, wie die anderen Schafe.

 

Da müsste doch etwas gehen!

 

Hermine sah sich noch einmal nach Rosa um, seufze, und quetschte sich durch die Zaunlücke.

Auf der anderen Seite gab es kein Rosa. Es roch würzig nach Tannen. Sie folgte einem Pfad in den Wald. Weit entfernt bellte ein Hund.

Im Wald war alles still und schattig. Das schwarze Lämmchen verschmolz mit den Schatten und fühlte sich unsichtbar. Unsichtbar zupfte es ein paar Grashalme und traf am Waldrand auf grunzende kleine schwarze Wesen. Sieben waren es. Sie rannten auf kurzen Beinen um Hermine herum, so dass ihr ganz schwindelig wurde und sie schnell ins Gehölz lief.

Dort fand sie ein kleines braunes Kitz. Es schlief. Leise schlich Hermine drum herum. Sie wollte nicht stören.

 

Es plätscherte rechts von ihr. Neugierig näherte das Lamm sich dem Geräusch. Ein winziger Bach bewegte sich sanft über eine Wiese, auf der gelbe Butterblumen im Sommerwind nickten. Das sah lustig aus.

 

Hermine sprang fröhlich von Stein zu Stein mitten im Flussbett des Baches. Bunte Schmetterlinge begleiteten ihren Weg. Wie aufregend war es doch hinter dem Zaun, was für ein lustiges Abenteuer.

 

Sie entdeckte auf der Wiese einen Korb. Hermine kletterte hinein. Da machte sich plötzlich der Sommerwind einen Spaß, ruckelte und zuckelte am Korb, bließ den großen Ballon auf und nahm allesamt mit in die Luft.

 

Huch, Hermines Stirnlocke verwuschelte vor ihren Augen und als sie endlich wieder sehen konnte, war es zu spät, um aus dem Korb zu springen. Da wurde ihr doch etwas mulmig. Sie flog.

 

Es war schon Abend geworden. Sie hatte gar nicht bemerkt, wie weit sie durch den Wald und über die Wiese in die Welt hinter dem Zaun gegangen war.

 

Hermine sah unter sich den Bach auf der Wiese. Die Butterblumen waren winzige gelbe Punkte. Der Wald erstreckte sich so weit ihr Auge reichte.

Die kleinen Grunzer rannten immer noch wie wild herum. Das Kitz stand mit seiner Mutter auf einer Waldlichtung. Hermine freute sich, sie alle noch einmal sehen zu können. Am Horizont leuchtete die Sonne rotglühend.

 

Hermine beschloss für immer zu fliegen. Zu schön war es hier oben. Ruhig und friedlich.

 

Da gab es einen Ruck. Der Wind wurde still. Der Korb fiel wie ein schneller Fahrstuhl nach unten.

Hermine standen die Locken zu Berge. Sie schloss die Augen.

 

Ein kleiner letzter abendlicher Luftzug des Sommerwindes beruhigte die Abwärtsfahrt. Der Korb landete unsanft auf der Erde, kippte um und Hermine landete mit einem Purzelbaum auf einer Wiese.

 

Sie öffnete die Augen und sah rosa.

Juli 2016